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Tod nach Fixierung – Heim machts möglich….

Diese Arbeit sollten sich Betreuungsrichter, die leichthin oder jedenfalls viel zu schnell Gurtfixierungen von betreuten Menschen nach § 1906 BGB genehmigen unbedingt zu Gemüte führen: Todesfälle bei Gurtfixierungen. Gerichtsmediziner aus Wien und München haben 26  Todesfälle nach Gurtfixierungen untersucht – schon die absolute Zahl erscheint hoch, auch wenn es sich um Fälle aus 13 Jahren handelt, denn es sind nur Fälle aus dem Großraum München. Die Gerichtsmediziner kommen zu dem Ergebnis:

Während in Gurtsystemen drei Patienten infolge eines natürlichen Todes und ein Betroffener durch Suizid starben, war bei 22 gleichfalls nicht unter Dauerbeobachtung stehenden Pflegebedürftigen der Todeseintritt allein auf die jeweilige Fixierung zurückzuführen. Deren Tod war entweder durch Strangulation (n = 11), Thoraxkompression (n = 8 ) oder in Kopftieflage (n = 3) eingetreten. Bei fast allen Bewohnern/Patienten (n = 19) wurden die Gurte fehlerhaft angelegt, zweimal sind behelfsmäßige Mittel zur Fixierung herangezogen worden. Trotz korrekter Anwendung eines Bauchgurts kam es bei einer Heimbewohnerin aufgrund ihrer Gelenkigkeit und durch ihre Konstitution zur Strangulation.

Bemerkenswert ist ja auch, dass es unter der Fixierung zu einem Suizid kommen konnte. Die Autoren resümieren klar und umißverständlich:

Zur Verhinderung derartiger Todesfälle wird aus gerichtsmedizinischer Sicht dringend empfohlen, alle Möglichkeiten von Alternativen zu Freiheitsentziehenden Maßnahmen auszuschöpfen. Falls körpernahe Fixierungen dennoch unvermeidbar sind, müssen diese vorschriftsmäßig angewandt und die Betroffenen verstärkt beobachtet werden.

Wenn man die Betroffenen aber eh beobachten muss und zwar genau, denn alle beschriebenen Todesarten dürften sich recht rasch ereignen können, dann können sie auch eine Nachtwache erhalten, die eine Fixierung unnötig macht (vergleiche SG Freiburg, S 9 SO 5771/11 ER  hier  in diesem Blog – weiter unten -).

Übrigens: Ich wette, dass keiner der Verantwortlichen für die tödlichen Fixierungen deswegen verurteilt worden ist…..

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Eine Antwort zu “Tod nach Fixierung – Heim machts möglich….”

  1. Dr. Sebastian Kirsch sagt:

    Ich bin ein entschiedener Gegner der Fixierungen und Mitinitiator des Werdenfelser Weges, der derzeit sich auch in Hamburg verbreitet:

    Aber Ihre Wette verlieren sie:

    Mehrheitlich hatten die polizeilichen Ermittlungen bei Todesfällen im Zusammenhang mit Gurtfixierungen keinerlei Anhaltspunkte für strafbare Handlungen ergeben, so dass seitens der zuständigen Staatsanwaltschaften keine weiteren Maßnahmen erfolgten. Jedoch wurden in drei Fällen die verantwortlichen Pflegekräfte wegen fahrlässiger Tötung (§ 222 StGB) rechtskräftig zu einer Geldstrafe von je 90 Tagessätzen verurteilt. Ein behandelnder Arzt war gleichfalls mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen belegt worden, weil er bei einer fixierten Heimbewohnerin die Entfernung des Bettgitters angeordnet hatte. Gegen die ausführenden Altenpflegerinnen wurde keine Anklage erhoben, da diese nachdrücklich auf die Notwendigkeit von hochgezogenen Bettgittern bei Gebrauch eines Bauchgurtes aufmerksam gemacht hatten.

    Gruß aus Garmisch-Partenkirchen

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